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25.03.2015

Offenau hat Signalwirkung

Kategorie: Aktuelles

Gleich hebt der Hubschrauber am straff gespannten Trageseil den neuen Signalposten für die Stadtbahn von seinem Lagerplatz beim Offenauer Flutgraben. (Foto: Gemeinde Offenau)

Von der Austraße aus stellte ein Hubschrauber im Auftrag der Deutschen Bahn heute Morgen neue Signalposten für die Stadtbahn in Bad Wimpfen

Nach hundert Metern ist für Spaziergänger am Ende der Offenauer Austraße heute Morgen um neun Uhr Schluss. Drei rot-weiße Absperrhütchen sitzen quer über den Weg, „Vorsicht. Hubschrauber Einsatz“ steht in roten Buchstaben auf einem Schild daneben.

Der rot-weiße Helikopter ist ebenfalls schon da, zusammen mit zwei gemütlich wartenden Männern. „Die Monteure müssen erst vor Ort sein“, erläutert Alexander Ostwald von der Firma AO-Netztechnik aus dem thüringischen Triptis. Unterstützt von zahlreichen Montageprofis aus ganz Deutschland stattet der Elektronikkonzern Thales Deutschland mit Sitz im schwäbischen Ditzingen im Auftrag der Deutschen Bahn die Stadtbahnstrecke in Bad Wimpfen mit neuen Signalposten aus. Acht Stück sind es an der Zahl. Die grün gestrichenen Masten liegen, fix und fertig montiert, mit dem charakteristischen weißen Andreaskreuz an der Spitze, säuberlich verteilt rechts und links des Wegs, auf Grundstücken der Gemeinde Offenau.

Von links nach rechts Wie aufs Stichwort klingelt in diesem Moment ein Handy. Es steckt in der Hosentasche von Pilot Gunter Wlasak. „Wir haben Windstille“, meldet der Leiter der Abteilung Luftarbeit bei der Meravo Luftreederei aus Oedheim seinen beiden Kollegen an der Stadtbahnstrecke. Im Auftrag von Thales sind die Kochertäler Spezialisten kreuz und quer im Luftraum der Republik unterwegs, heute zwischen Offenau und der Stauferstadt auf dem anderen Neckarufer. „Mit dem Heli ist das ein Katzensprung“, sagt Wlasak. Die Montagerichtung für die acht Signalposten ist auch klar, „von links nach rechts und von Bad Wimpfen weg“.

Sanft laufen die Rotorblätter an. Es dauert ein wenig, bis sie die notwendige Drehzahl erreicht haben, und man versteht Reinhard Mays Liedzeilen vom Dröhnen der Rotoren in den Ohren ein wenig besser.

Aber dann geht alles wie am Schnürchen. Jedenfalls wirkt das blaue Trageseil, das unten am Hubschrauber befestigt ist, aus der Bodenperspektive entsprechend zierlich. In Wahrheit misst es 30 Meter und kann ein Gewicht von bis zu zwei Tonnen tragen. Ein Signalposten wiegt rund 600 Kilogramm.

Zwei Stunden sollen die Arbeiten dauern, Tankpause inklusive. Die Abläufe sind eingespielt.. Der Helikopter steigt auf, Alexander Ostwald hakt den starken Karabinerhaken am Ende des Seils in den Masten ein, und Gunter Wlasak schwenkt, mit der senkrecht unter ihm schwebenden Last, ein in Richtung Bad Wimpfen.

Katzensprung Zwischen sechs und sieben Minuten benötigt der Hubschrauber für den Transport eines Mastens. Zwei Kollegen am Boden weisen Wlasak den Weg zwischen den Wimpfener Bahnübergängen beim Freibad und der neuen Stadtbahnhaltestelle auf der Eisenbahnbrücke nach Jagstfeld. „Eins nach oben, halber nach rechts, vier nach unten, Höhe halten“, kommen die Höhnenanweisungen für den Piloten über Funk, schließlich darf sich die fliegende Fracht nicht in der Oberleitung verhaken.

Um neun Uhr vierzig ist die Hälfte der Masten der gestellt und vor der Absperrung in der Austraße ist es voll geworden. Schaulustige, die Tageseitung aus Heilbronn und Vertreter der Thales-Presseabteilung haben sich mit Kameras eingefunden. Flugblätter im Briefkasten und das Amtsblatt hatten die Anwohner über die Arbeiten informiert. Die Spaziergängerin mit den drei Kindern und dem großen wuscheligen Hund ist sogar eigens aus Bad Rappenau gekommen: „Mein Mann hat es im Radio gehört und die Kinder haben heute schulfrei.“

Die Schützlinge des Offenauer Kindergartens St. Anna haben heute Naturtag. „Wir haben ihn extra auf heute gelegt und haben auch früher gefrühstückt“, erzählt Erzieherin Christine Bertsch. Jetzt recken 29 kleine Hans-guck-in-die-Luft ihre Hälschen und verfolgen die Bauarbeiten hoch über ihren Köpfen, die nur bedingt etwas mit dem Bau der Stadtbahn Nord zu tun haben.

Fernsteuerung „Die Stadtbahn war der Auslöser“, erzählt Peter Gramlich von der Deutschen Bahn, der ebenfalls in der Offenauer Austraße vorbei schaut. Damit auf der eingleisigen Strecke zwischen Bad Wimpfen und Sinsheim mehr Züge unterwegs sein können, wurde Bad Wimpfen, nach Bad Rappenau, zu einem weiteren Kreuzungspunkt ausgebaut. Die Masten „sind die neueste Signaltechnik.“ Sie ermöglichen, dass die Zugsignale auf der Kraichgaustrecke in Zukunft von Karlsruhe aus gesteuert werden.

Um 10.30 Uhr haben Gunter Wlasak und sein Hubschrauber wieder festen Offenauer Boden unter den Füßen bzw. Kufen. Zwei Stunden waren für die Stellarbeiten angesetzt, und deshalb haben die Kindergartenkinder noch Zeit, den Helikopter aus der Nähe anzuschauen. (her).