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Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie

Veröffentlichung der Entwürfe der Bewirtschaftungspläne, Aktualisierung 2015 nach EG-Wasserrahmenrichtlinie inklusive Maßnahmenprogramme gemäß § 68 Abs. 1 WG und der Entwürfe der Hochwasser- risikomanagementpläne nach EG-Hochwasser- risikomanagementrichtlinie inklusive der Entwürfe für die Umweltberichte zur Strategischen Umweltprüfung für die baden-württembergischen Bearbeitungsgebiete Alpenrhein/Bodensee, Hochrhein, Oberrhein, Neckar, Main und Donau durch die Regierungspräsidien Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Tübingen als Flussgebietsbehörden.

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eingestellt: 16.2.2015  

HVZ

Pegel Offenau
Wasserstand als Grafik

LUBW

Hochwassergefahrenkarte
für den Bereich Offenau

Hochwasserrisikomanagement
-Abfrage für Offenau

Hochwasserschutz Offenau

Gut geschützt vor den unberechenbaren Neckarfluten ist die Gemeinde erst seit dem Bau des Hochwasserdamms 2004. (Foto: Franz Rittenauer)

Veranlassung
In eine Neckarschleife schmiegt sich die Gemeinde Offenau. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Fluss bestimmte jahrhundertelang den Alltag ihrer Einwohner. Immer wieder schwappten Hochwasserfluten bis in die Ortsmitte, wer im 19. Jahrhundert in der tiefer als das Ufer liegenden Neckarstraße baute, zog vorsorglich das Sockelgeschoss höher. Die Überflutungen in den Jahren 1993, 1994, 1995 und 1997 zeigten allerdings entgültig den unzureichenden Hochwasserschutz der Ortslage auf. Im Dezember 1993 schnitt das bislang höchste Hochwasser der jüngeren Zeit die Gemeinde einen ganzen Tag lang ab. Der Schaden im bebauten Ortsgebiet belief sich damals auf 15 Millionen Euro.

Daraufhin wurde von der Gemeinde Offenau im Jahr 1996 als Vorplanung die Entwicklung eines wirkungsvollen Hochwasserschutzkonzepts für die gesamte Ortslage in Auftrag gegeben.
Im Rahmen der zweiten Projektphase „Entwurfs- und Genehmigungsplanung" wurden die endgültigen Teile der Planungsaufgabe zur Lösung der Hochwasserschutzmaßnahme erarbeitet. Die Planung der Maßnahme wurde hierbei in drei Teile gegliedert:
Teil 1: Hochwasserschutzeinrichtung - Eindeichung
Teil 2: Anpassung Binnenentwässerung, Maßnahmen für das bebaute Ortsgebiet - Hochwasserpumpwerke
Teil 3: Anpassung Binnenentwässerung, Maßnahmen für die Hinterlandgebiete.

Hochwasserschutzeinrichtung
Als Bemessungswasserstand für die Planung wurde das Neckarhochwasser vom Dezember 1993 festgelegt. Damit wird ein statistischer Schutzgrad mit einer Wiederholungszeitspanne von ca. 100 Jahren erzielt. Zusätzlich ist ein Freibord von 50 cm berücksichtigt, so dass unter Inanspruchnahme des Freibordes ein Schutzgrad von ca. 200 Jahren erreicht wird.

Für den Hochwasserschutz ist eine Schutzeinrichtung von ca. 2,1 km Länge entlang des Neckars am westlichen Siedlungsrand von Offenau errichtet worden. Die maximale Deichhöhe beträgt 3,5 m. Über längere Bereiche genügt jedoch eine Bauhöhe um 2 Meter. Die Deichkrone hat eine Regelbreite von 3 m. Damit ist die Krone im Hochwasserfall zur Deichverteidigung befahrbar. Lediglich im Abschnitt zwischen dem PW Laichengraben und der Kläranlage beträgt die Deichkrone nur 1,0 bis 1,5 m. Für die Wahl der Böschungsneigung war der Gesichtspunkt der Standsicherheit entscheidend. Hieraus resultierte die Regelneigung von 1 : 2 auf der Wasser- und Luftseite. Zur Querung des Deiches und als Zugang zur Deichkrone sind Rampen und Treppenanlagen gebaut worden.
Im Ortsbereich ist das feste Deichbauwerk durch mobile Hochwasserschutzwände wie:
• Hochwasserschutztor Fußweg Laichengraben
• Mobile Wand Kirchplatz
• Hochwasserschutztor Neckarstraße
• Hochwasserschutztor Holzstraße
und Stützwände wie
• Geotextilwand zwischen dem Pumpwerk Laichengraben und dem Kirchplatz
ersetzt.

Eine im Talsperrenbau generell übliche, kostenträchtige Abdichtung des Untergrunds ist beim Deichbau in Offenau nicht angewandt worden. Lediglich im Bereich der mobilen Hochwasserschutzwände wurde der Untergrund zum Abbau des hydraulischen Gradienten mit Stahlspundwänden abgedichtet.

Südlich der ehemaligen Schneidmühle war der Salinenkanal durch eine Altablagerung mit Hausmüll dammförmig aufgeschüttet. Diese wurde komplett entfernt.

Nördlich der ehemaligen Schneidmühle verlief der Salinenkanal in einem unterirdisch gemauerten Stollen (Hufeisenprofil) im Neckarvorland. Über eine Länge von ca. 360 m lag die Deichtrasse über dem im Untergrund verlaufenden Stollen. Beim Bau wurde das Gewölbe aufgebrochen, die seitlichen Mauern im Untergrund belassen und der Kanalkörper mit Deichschüttmaterial aufgefüllt und lagenweise verdichtet. Die verbliebenen Stollenteile am Anfang und am Ende der Ausbaustrecke wurden mit Beton verplombt.

Ver- und Entsorgungsleitungen sind in einem Deichkörper und im Deichuntergrund Fremdkörper und stellen eine Schwachstelle für die Abdichtung dar. Daher wurden bei allen durch den Deichuntergrund geführten Leitungen die Rohrauflager in geeigneter Weise abgedichtet, um Sickerwege entlang der Leitungen zu vermieden.

Die Auswirkungen der Hochwasserschutzmaßnahme wurden durch eine Wasserspiegellagenberechnung im Bereich der gesamten Neckarstauhaltung Gundelsheim überprüft. Die Untersuchung wurde durch die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) Karlsruhe bis April 1997 durchgeführt. Hierbei wurden neben der Maßnahme in Offenau auch die Maßnahmen in Bad Friedrichshall-Kochendorf, Bad Wimpfen im Tal und Bad Rappenau-Heinsheim untersucht. Die Ergebnisse der Simulationsberechnungen zeigen, dass die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen keine Auswirkungen auf die Höchstwasserstände haben werden bzw. im Bereich der Messgenauigkeit und der Rechengenauigkeit liegen.

Auf Wunsch der Gemeinde Offenau wurde im Rahmen der Genehmigungsplanung die Linienführung des Hochwasserschutzdeiches in zwei Abschnitten wie folgt optimiert:
• Im Ortskernbereich zwischen Kirche und Neckarstraße wurde die Deichachse um ca. 10 m in Richtung Uferstraße verschoben, damit die Zerschneidung der privaten Gartengrundstücke gemildert wird.
• Im Bereich südlich der Holzstraße wurde die Deichachse um ca. 5 m in Richtung Neckar verschoben, damit binnenseitig keine Privatgrundstücke beansprucht werden.
Durch eine ergänzende Stellungnahme der BAW Karlsruhe wurde nachgewiesen, dass die optimierte Linienführung des Hochwasserschutzdeiches keine signifikante Einengung des durchströmten Querschnitts bewirkt und somit keine nachweisbare Vergrößerung der in dem BAW-Gutachten ausgewiesenen Wasserspiegeldifferenzen (max. 4 cm) oberhalb der Baumaßnahme zu erwarten ist.

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Anpassung Binnenentwässerung
Die Kanalisation von Offenau war vor den Baumaßnahmen auf ein maximales Neckarhochwasser von HW1 = 144,2 mNN ausgelegt.

Im Rahmen der Hochwasserschutzmaßnahme wurde die Binnenentwässerung für den Hochwasserfall (Neckarwasserstand BHW = HWDez 93 = 147,4 bis 148,3 mNN) den veränderten Druckverhältnissen angepasst.

Die Anpassungsmaßnahmen waren in die
• Maßnahmen für das bebaute Ortsgebiet - Bau von vier Pumpwerken zur Förderung der Wasserentlastungsmengen der Mischkanalisation in den Neckar und die
• Maßnahmen für die Hinterlandgebiete - Umbau der separaten Hinterlandkanäle in Druckdolen
untergliedert.

Anpassungsmaßnahmen für das bebaute Ortsgebiet
Zur Aufrechterhaltung der Binnenentwässerung im Hochwasserfall wurden bei den Regenentlastungsbauwerken insgesamt vier Hochwasserpumpwerke mit einem Gesamtförderstrom von Q = 5,9 m3/s zu errichtet:
• Pumpwerk „Jagstfelder Straße" beim RÜ I
• Pumpwerk „Holzstraße" beim RÜB II
• Pumpwerk „Laichengraben" beim RÜB IV
• Pumpwerk „Kläranlage" beim RÜB V

Bei der Lösung der Binnenentwässerung mit vier Pumpwerken konnte der bestehende Gesamtkanalisationsentwurf weitestgehend beibehalten werden. Im Rahmen des Energie versorgungskonzeptes wurde die Energieversorgung für zwei antriebs- und versorgungstechnisch unterschiedliche Varianten aufgezeigt und verglichen:
• Variante 1: Elektrisch betriebene Pumpen
• Variante 2: Dieselbetriebene Pumpen
Als Antriebsverfahren wurde die „Variante 1: Elektrisch betriebene Pumpen" gewählt. Hierfür sprachen folgende Punkte:
• Die Variante 1 erfüllt alle technischen Anforderungen hinsichtlich der Betriebssicherheit der Antriebe sowie in Bezug auf die Versorgungssicherheit.
• Die Investitionskosten sind weitaus günstiger.
• Die Betriebskosten sind - sofern der Bemessungsfall (HW100) nur einmal auftritt, wesentlich günstiger.

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Anpassungsmaßnahmen für die Hinterlandgebiete
Die höher gelegenen Hinterlandgebiete (östlich des bebauten Ortsgebietes) liegen über dem Bemessungswasserspiegel des Neckars (BHW = HWDez 93). Zur Aufrechterhaltung der Hinterlandentwässerung wurden daher die separaten Regenwasserkanäle als Druckdolen umgebaut.
Zur Anpassung an die geänderten Druckverhältnisse in den Kanälen waren im Einzelnen folgende Maßnahmen erforderlich:
Hinterland „Gelbenstein": separate Ableitung in einem offenen Graben außerhalb der Hochwasserschutzeinrichtung

Hinterland „Gässlesweg": Umbau von 3 Kanalhaltungen, Nachrüstung von 7 Schachtbauwerken mit drucksicheren Schachtabdeckungen
Hinterland „Kelterwiesen": Umbau von 3 Kanalhaltungen Nachrüstung von 9 Schachtbauwerken mit drucksicheren Schachtabdeckungen
Hinterland „Eichwaldäcker": Nachrüstung eines Schachtbauwerkes mit einer drucksicheren Schachtabdeckung

Bauausführung
Für die Bauausführung der Hochwasserschutzmaßnahme und Berücksichtigung des Gesamtkanalisationsentwurfs von 1993 ergab sich aus den technischen Randbedingungen folgende Ausbaureihenfolge:
1. Ausbau der Regenentlastungsbauwerke (RÜB II, RÜB IV - Umsetzung des Gesamtkanalisationsentwurfs von 1993)
2. Bau der Pumpwerke und Anpassung der Regenwasserkanalisation für die Hinterlandgebiete
3. Bau der Hochwasserschutzeinrichtung (Eindeichung)
Die Bauzeit betrug insgesamt 4 Jahre.

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