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30.09.2016

Reiteläcker nehmen Gestalt an

Kategorie: Aktuelles

Am Ortrand und doch mittendrin sitzen die Reiteläcker. Wie die fünf Hektar große Fläche später mit dem Auto erreicht werden soll, war Thema bei der dritten Sitzung des Gestaltungsbeirats am 21. September. (Foto: Archiv Gemeinde Offenau)

Gestaltungsbeirat empfiehlt Gemeinderat kleine Grundstücke mit einheitlicher Größe – Wunsch nach Betrieben aus dem Offenauer Umkreis

Welche Art von Gewerbe soll im geplanten Gewerbegebiet Reiteläcker unterkommen? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Mitglieder des Gestaltungsbeirats bei ihrer dritten Sitzung am Mittwoch, 21. September, im Offenauer Rathaus gemeinsam mit rund einem Dutzend Besuchern. Gastreferent Martin Schunkert von der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH dreht in seinem Impulsvortrag den Betrachterstandpunkt um: Welche Betriebe haben überhaupt Interesse an der rund fünf Hektar großen Fläche im Offenauer Osten. Potenzial sieht der Wirtschaftsfachmann für Dienstleistungen, beispielsweise im Bereich Planung und Konzeption für die Automobilindustrie.

Lokales Gewerbe Denn die Nachfrage nach Gewerbeflächen im Stadt- und Landkreis Heilbronn sei trotz Flächenrückgang ungebrochen. „Auswärtige Firmen wollen fünf bis sieben Hektar in Autobahnnähe“, beschreibt er die Erfahrung der Wirtschaftsförderer in den vergangenen fünf Jahren“. Lokales Gewerbe suche Flächen zwischen 0,5 und drei Hektar. Schunkerts Empfehlung für die günstig in der Nähe der B 27 gelegenen Reiteläcker lautet deshalb: „kleinteilige Vermarktung“. Dies bringe auch weniger Ziel- und Quellverkehr, kaum große Lieferfahrzeuge und so weniger Lärm. Die Interessenten, vermutet der Wirtschaftsförderer besonders im Offenauer Umkreis von fünf bis zehn Kilometern.

Die Aussage freut Offenaus Bürgermeister Michael Folk. „Der Gemeinderat ist angetreten, um gewerbliche Flächen für den örtlichen Bedarf für die kommenden zehn bis 20 Jahren zu haben“, erinnerte der Schultes, der im Gestaltungsbeirat den Vorsitz führt, an die Beweggründe der Bürgervertreter für die Ausweisung der Reiteläcker im Flächennutzungsplan vor rund zehn Jahren.

Parzellierung Gestaltungsbeiratsmitglied Thomas Gärtner sind die Erfahrungen bei der Wirtschaftsförderung und die Intentionen des Gemeinderats zu wenig. Er regt an, durch den Zuschnitt der Grundstücke bereits vorab dafür sorgen, dass sich kein „Großer“ in dem Gebiet ansiedeln möchte.

Die Idee stößt auf die Zustimmung der Beiratsmitglieder. Städteplaner Jürgen Glaser vom Ingenieurbüro für Kommunalplanung ifK aus Mosbach, der die Beiratssitzungen im Auftrag der Gemeindeverwaltung moderiert, schlägt vor, neben der Einteilung in Parzellen im Bebauungsplan auch Vorgaben zu machen, wie hoch und breit Betriebsgebäude in den Reiteläckern werden können. Die im benachbarten Mischgebiet Gelbenstein II geltenden elf Meter „wären für mich ein guter Maßstab.“

Ortsumfahrung Die Frage, wie Mitarbeiter und Lieferanten den Weg in die rund fünf Hektar großen Reiteläcker finden, ist ein weiteres Thema an diesem Abend, schließlich sind sie Teil der 17 Hektar großen Gewerbefläche Offenau-Ost. „Dieses Gebiet lässt sich nur mit einer Ortsumfahrung anbinden“, sagt Offenaus Verkehrsgutachter Uwe Zimmermann aus Haßmersheim. Und diese, auch wenn sie im aktuellen Entwurf des Bundesverkehrswegeplans überraschend in der obersten Kategorie aufgeführt sei, hält er aufgrund der hohen Kosten zumindest innerhalb der Laufzeit des Planes bis 2030 für unrealistisch.

Eine verlängerte Philipp-Amsler-Straße aus dem Wohngebiet Gässlesweg in die Reiteläcker hinein könnte deshalb die gewünschte Anbindung bringen. Verkehrsplaner Zimmermann bringt eine zweite Variante für den Gewerbeverkehr ins Spiel: Ausbau des bisher für den Abtransport der Rübenerde benutzten Feldwegs bis zur Kreisstraße 2030, eine entsprechende Naturschutzprüfung voraus gesetzt.

Vor- und Nachteile der beiden Zufahrtswege werden engagiert diskutiert. Muss die Philipp-Amsler-Straße auf jeden Fall bis zu den Reiteläckern fortgeführt werden? Kann die Variante B nicht den ganzen Verkehr aufnehmen bzw. ist eine Abzweigung von ihr durch das Gewerbegebiet Reiteläcker möglich?

Fläche verschieben Im Hinblick auf ein zukünftiges Wohngebiet Gut-Stund-Brunnen zwischen Sportanlagen und Gässlesweg kommt aus dem Publikum der Vorschlag, die Reiteläcker zum Wohngebiet zu machen und gewerbliche Ansiedelungen weiter in Richtung der B 27 zu verschieben. Dieser Idee erteilt Moderator Jürgen Glaser eine klare Absage: Wegen der Betriebsgeräusche der benachbarten Zuckerfabrik sei keine Wohnbebauung östlich der aus dem Gässlesweg fortgeführten Philipp-Amsler-Straße möglich. Dies habe bereits eine Lärmuntersuchung im Jahr 2006 festgestellt.

Dass der Straßenstumpf langfristig fortgeführt werden muss, steht für Offenaus Bürgermeister Folk aber außer Frage: „Die Philipp-Amsler-Straße dient nicht der Erschließung der Reiteläcker, sondern ist für die Zu- und Abfahrt in die Wohngebiete Gässlesweg und Gelbenstein bzw. Gut-Stund-Brunnen gedacht.“

Flankierende Maßnahmen Der Verkehr zu- und in die Reiteläcker sowie in das Wohngebiet Gelbenstein, die dadurch entstehende Lärmbelastung für die Anwohner und die Verkehrssicherheit von Schulkindern und Spaziergängern bleibt auch in der dritten Sitzung des Gestaltungsbeirats das alles beherrschende Thema rund um die Ausweisung des Gewerbegebiets.

Und so einigt sich das Gremium nach knapp zwei Stunden darauf, den Mitgliedern des Offenauer Gemeinderats nicht nur die Parzellierung der Grundstücke im neuen Gewerbegebiet Reiteläcker zu empfehlen, sondern auch sogenannte „flankierende Maßnahmen“ zum Schutz von Fußgängern, beispielweise in der Form von Überquerungshilfen entlang des Anfahrtswegs durch die Gemeinde, damit Lkw „es schwerer haben“. (her)