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27.04.2015

DHL wünscht sich Erweiterung im Mühlweg

Kategorie: Aktuelles

Das Offenauer Mutterhaus der DHL im Talweg im Blick hätten die Mitarbeiter der vom Logistikunternehmen im Gebiet Reiteläcker gewünschten Werkserweiterung. (Foto: Gemeinde Offenau)

Kurzbericht zur Gemeinderatssitzung am 21. April – Teil 1

Neben Gelbenstein II und Offenau Süd-Erweiterung könnten die Bagger in der Neckargemeinde schon bald für ein weiteres Baugebiet anrollen: Der Gemeinderat gab in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag die Aufstellung des Bebauungsplans für das Areal Reiteläcker / Mühlweg in Auftrag.

Eine Halle mit 15.000 Quadratmetern, dazu Parkplätze für 120 Mitarbeiter, und ein Werksbetrieb in drei Schichten: Die Erweiterungspläne der DHL Automotive Supply Chain sind konkret und durchgeplant. „An unserem Standort im Talweg sind wir voll“, begründet Niederlassungsleiter Frank Merkle das Interesse des Logistikunternehmens an der rund fünf Hektar großen Fläche neben und hinter dem Trainingsplatz der Turngemeinde Offenau. Im September 2015 soll der Baubeginn sein, der Rohbau im März 2016 fertig stehen.

Überraschend und ziemlich kurzfristig nennt Bürgermeister Michael Folk deshalb das Anliegen der DHL, die in Offenau mit 160 Mitarbeitern als Zulieferer für die Automobilindustrie, insbesondere für Audi arbeitet. Die für die Erweiterung ins Auge gefasste Fläche passt zumindest auf dem Papier in die Planungen der Gemeinde. „Sie ist im Flächennutzungsplan als Teil von Offenau-Ost ausgewiesen“, berichtet Roman Adler vom Ingenieurbüro für Kommunalplanung aus Mosbach. Die Erschließung des Gebiets würde über die Philipp-Amsler-Straße und vorbei am Baugebiet Gässlesweg erfolgen. Ein Straßenstumpf, begrenzt durch rot-weiße Absperrbaken, weist heute schon hinüber ins Sportgelände im Mühlweg.

Und hier liegt das Hindernis. „Von derzeit 152 Kraftfahrzeugen in 24 Stunden würde das Verkehrsaufkommen auf 480 steigen“, erläutert Fachingenieur Uwe Zimmermann aus Haßmersheim. Im Auftrag der DHL hat er untersucht, wie sich die Lärmbelastung durch den zunehmenden Personen- und Schwerlastverkehr für die Anlieger ändern wird. 85 Lastkraftwagen, davon sieben in Nacht zwischen 22 und 6 Uhr, sollen die zweite DHL-Niederlassung in Offenau ebenfalls anfahren. Für den Fachingenieur steht dennoch fest: „Die Pegelzuwächse sind akzeptabel.“ Eine Genehmigung aus immissionsrechtlicher Sicht sieht er „nicht gefährdet“.

Die Bewertung des DHL-Anliegens fällt in den Reihen der Mitglieder des Offenauer Gemeinderats unterschiedlich aus. Zwar wird die Erweiterung des Automobilzulieferers grundsätzlich begrüßt, das deutlich größere Verkehrsaufkommen im Vergleich stößt auf Kritik. Die SPD-Fraktion regt deshalb an, die an- und abfahrenden Fahrzeuge über eine Erweiterung der Südzucker-Werkstraße zu leiten. Auch im Gespräch: Die Nutzung des Südzucker-Bahngleises für die Anlieferung. DHL-Architekt Bernhard Olpp wehrt vorsichtig ab: „Die Bahn beliefert Privatgleise nur noch ab 40 Wagons pro Tag. Wir hätten nur zwei bis drei.“

Das erhöhte Verkehrsaufkommen und das damit verbundene Plus bei den Immissionen wurde auch bei einem ersten Behördentermin, bei dem die Erweiterungspläne vorgestellt worden waren im März, im Rathaus diskutiert worden. „Sollten wir das Gebiet wie damals vorgesehen mit einer stärkeren Durchmischung an Betrieben füllen, könnte das noch mehr Verkehr bedeuten,“ gibt Bürgermeister Folk zu bedenken. „Über das Bebauungsplanverfahren kann man auf den Prozess noch steuernd einwirken.“

Mit einer Nein-Stimme, zwei Enthaltungen und neun Ja-Stimmen sprechen sich die Mitglieder des Offenauer Gemeinderats nach eineinhalb stündiger Beratung schließlich dafür aus, den Bebauungsplan für das Gebiet Reiteläcker / Mühlweg aufstellen zu lassen. Darin enthalten ist dann auch der zweite Abschnitt, denn DHL kann sich gut vorstellen, ihren zweiten Standort zu erweitern. Dann müsste auch der Trainingsplatz der TGO-Fußballer verlegt werden. (her)

Info: Den zweiten Teil des Kurzberichts zur öffentlichen Gemeinderatssitzung am 21. April lesen Sie in der nächsten Ausgabe Ihres Amtsblatts am 5. Mai.