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11.08.2015

Basaltsteine halten Ufer fest

Kategorie: Aktuelles

So einen idyllischen Arbeitsplatz wie bei der Sanierung des Offenauer Neckarufers hat die Besatzung der "Christine" selten. (Foto: Archiv Gemeinde Offenau)

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg kümmert sich um die Sanierung eines Teilstücks des Offenauer Neckarufers

Ruhig liegt das schwarz-weiße Schiff mit dem roten Heckstreifen in der kleinen Bucht unterhalb der Offenauer Hochwasserhütte. Das Neckarwasser ist grün, der Himmel blau, die Promenade leer und die Sonne strahlt. Den gelben Bagger in der Bootsmitte nimmt der Betrachter erst auf den zweiten Blick wahr. Das rot-weiß Absperrband am Ufer stört endgültig das Idyll: Hier wird gearbeitet.

Im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamts Heidelberg saniert die Lülsdorf Schifffahrt- und Uferbefestigungen GmbH aus dem rheinischen Niederkassel ein rund 85 Meter langes Teilstück der Johann-Michl-Promenade mit Wasserbausteinen und einer Art Matte aus Kunststoff, in der Fachsprache Geotextil genannt. Baggerfahrer Andrej Kornet gefällt der Arbeitsplatz am Offenauer Neckarstrand. „Das ist am Tag wie Urlaub“, scherzt der Niederländer.

Auch Firmenchef und Schiffsführer Martin Lülsdorf freut sich über die „wunderschöne Baustelle“ und die Ruhe. „Am Tag kommen vielleicht 15 Leute vorbei.“ Sich entspannt zurücklehnen können die beiden trotzdem nicht. „Wir bauen die alte marode Uferbefestigung aus und lagern sie zwischen“, zählt Lülsdorf den ersten Arbeitsschritt auf. Die alten Steine warten nun in einem der beiden Ladesegmente im Bauch des Baggerschiffs „Christine“ auf ihre Wiedereinsetzung. Im anderen liegen die Reste des Offenauer Ufers für die Entsorgung bereit: die verbogenen Stufen einer Eisentreppe, eine lange Stange, Relikte einer alte Schiffsanlegestelle aus Beton.

Weil Urlaubszeit ist, hat Lülsdorf das Steuer der „Christine“ übernommen. Kornet sitzt dafür immer am Schalthebel des auf Deck installierten Hydraulikbaggers. Damit die neue Befestigung mit hellgrauen Basaltsteinen hält, muss zuvor das Ufer profiliert werden. „Also ein Profil im Sinne von Gefälle angelegt werden“, übersetzt Lülsdorf die Ingenieursprache. Das macht Mitarbeiter Andrej mit der Baggerschaufel und im Verhältnis 1:2.

Danach wird die Böschung mit dem Geotextil verkleidet. Durch das Kunststoffgewebe kann das „Wasser rein und raus fließen, aber nicht die Erde vom Ufer in den Fluss“, erläutert Klaus Genthner, der für die Offenauer Maßnahme beim Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg (WSA) zuständige Fachplaner. Rund 30.000 Euro kostet das WSA die Sanierungsmaßnahme am Offenauer Neckarufer; sie ist Teil eines größeren Auftrags, den die Lülsdorf GmbH für die Heidelberger in ihrem Bezirk erledigt, „und deshalb fallen die Baukosten etwas günstiger aus“, betont Genthner.

Die neuen Steine für das Offenauer Ufer hat die "Christine" in ihrem Bauch aus einem Steinbruch bei Bonn mitgebracht. Denn nicht jeder Stein ist für die Aufgabe geeignet. „Die Steine müssen zertifiziert sein“, berichtet WSA-Ingenieur Klaus Genthner. Bei einer Aufschüttung mit losen Steinen muss sichergestellt sein, dass sich die Brocken ineinander verkeilen und nicht wieder abrutschen. Auch müssen sie Frost und Hitze aushalten. Die hellgrauen Basalte für Offenau haben so ein Zertifikat. Sie heißen offiziell LMB 10/60, d.h. ein Stein wiegt zwischen 10 und 60 Kilogramm.

Aus der Baggerschaufel von Andrej Kornet prasseln die Brocken mit einer Leichtigkeit, die ihr Gewicht vergessen lassen. Geschäftig wippt die kleine niederländische Fahne auf dem Baggerdach auf und ab, wenn die Schaufel die soeben aufgeschütteten Steine vorsichtig ans Ufer drückt, damit sich alle gut verkeilen.

Die ersten 60 der insgesamt 400 Tonnen Basalt hat die „Christine“ schon mitgebracht. Zwei Tage hat sie für die Fahrt von ihrem Heimathafen Mondorf bei Bonn gebraucht, in Offenau bleibt das Arbeitsschiff doppelt so lang. Denn die zweite Fuhre Steine, die das Geotextil als „Packung“ obendrauf fest am Neckarufer halten, kommt mit einem anderen Schiff. (her)