
Die Gemeinde Offenau, Landkreis Heilbronn, führt das nachfolgend beschriebene Gemeindewappen:
In Blau ein goldener (gelber) Reichsapfel, darüber drei (1:2) aneinander gerückte silberne (weiße) Salzwürfel. Der Reichsapfel nimmt Bezug auf die in der Zeit der Jahrhundertwende in Gemeindesiegeln geführten Abbildungen, während die drei Salzwürfel auf das Salzvorkommen in der Gemeinde hinweisen.
Das Recht zur Führung dieses Wappens wurde der Gemeinde durch Erlass des Innenministeriums Baden-Württemberg mit Datum vom 4. März 1963 verliehen. Wie alt Offenau wirklich ist, weiß niemand; sicher ist nur, dass es zu den ältesten Siedlungen der Region gehört. Aber erst aus einer Urkunde von 767 erfahren wir, dass das Ehepaar Eberwin und Engiltrud seine Güter, die es in Offenheim (= Heimwesen des Offo) besaß, dem Kloster Lorsch geschenkt hat. In den nächsten zwei Jahrzehnten folgten noch andere diesem Beispiel.
Kirchlich war Offenheim eine Filiale des Pfarrers im benachbarten Duttenberg, bis es 1438 vom Domkapitel zu Worms einen eigenen Pfarrer bekam, der meist aus dem Wimpfener Dominikanerkloster kam.
Die Offenheimer Besonderheit war seine Solequelle, die in einen Brunnen gefasst und seit etwa 1560, unter der Herrschaft des Deutschen Ritterordens, zu Heilzwecken genutzt wurde. Der erste Kurgast, von dem wir wissen, war die regierende Markgräfin Anna von Baden-Durlach, die im Jahr 1580 nach Offenau gekommen war, um hier wegen ihrer Podagra – ihrer Gicht also – Linderung zu suchen. Die Solebäder müssen hilfreich gewesen sein, denn der pfälzischen Kurfürstin Elisabeth gegenüber lobte die Markgräfin das Offenauer Bad in den höchsten Tönen.
In den folgenden Jahrhunderten war der Offenauer Kurbetrieb einem ständigen Auf und Ab unterworfen. Im 19. Jahrhundert erlebte das Bad eine erneute Blütezeit, nachdem das Kurhotel „Linde“ – mit modernen Badeeinrichtungen und einem kleinen Park ausgestattet – eröffnet worden war (1790). Damals nannte sich der Ort „Bad Offenau“. Als das württembergische Offenau im Jahr 1879 einen eigenen Bahnhof an der damals großherzoglich-badischen Neckartalbahnlinie erhielt, nahm die Zahl der Gäste noch einmal zu. Im ersten Weltkrieg schlief der Badebetrieb aber ein und wurde danach nicht wieder belebt.
Seiner Badegeschichte zu verdanken hat Offenau ein besonderes architektonisches Kleinod, das in der Ortsmitte beim neuen Kulturzentrum Saline bewundert werden kann: die Graf von Westerholt–Kapelle. Es war nämlich ein Kurgast, der sie erbauen ließ.
Über 100 Jahre stand sie im Garten des ehemaligen Salzschreiberhauses und war dabei immer mehr in Vergessenheit geraten. Sie war, bis auf das Glockentürmchen, kaum noch als Kapelle zu erkennen. Willi Röser, Offenaus Ehrenbürger und 1. Vorsitzender des Freundeskreises PASSIO DOMINI weckte die Kapelle aus ihrem Dornröschenschlaf und ließ sie restaurieren. Mit ihrem Fachwerk aus unbearbeiteten Rundhölzern, das mit Baumrindenstücken ausgefacht ist, ihren drei spitzen Giebeln und dem angedeuteten Halbrund des kleinen Chorraumes, dem sich auch die Form des steilen, gebretterten Daches anpasst, erinnert die Kapelle an die Gartenarchitekturen der Landschaftsgärten (Eremitagen, kleine Kapellen), die um 1900 in der Heimatstilbewegung eine Renaissance erfuhren.
Der Erbauer der Kapelle war Graf Otto von Westerholt-Gysenberg (1852 – 1895), der im Kurhotel „Linde“ Heilung von einem Kriegsleiden gesucht hatte. Da es ihm in Offenau gut gefiel, erwarb er von der Lindenwirtin das neben dem Badhotel befindliche Anwesen und ließ im Garten die Kapelle errichten (1892). Doch war es dem Grafen nicht vergönnt, seine Kapelle lange zu nutzen. Er starb 1895 und wurde in Offenau beigesetzt. Seinen reichen Nachlass vermachte er seinen Schwestern, das Haus mit der Kapelle aber hinterließ er – auf Lebenszeit – seiner stets treu für ihn sorgenden Haushälterin Bianca von Bertié.
Die Kapelle ist in der Regel nicht öffentlich zugänglich. Sie kann aber über den Freundeskreis Passio Domini einzeln und in Gruppen besucht werden.
Wenn schon salzhaltiges Wasser aus der Erde sprudelt, liegt es nahe, auch das damals rare Salz zu gewinnen. Unter dem Kölner Kurfürsten und Erzbischof Clemens August, dem damaligen Hochmeister des Deutschen Ordens, wurde 1754 die Saline gegründet, die deshalb den Namen "Clemenshall" erhielt, und bereits zwei Jahre später wurde das erste Salz gesiedet.
In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens hatte die Saline mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, denn die aus den verschiedenen Brunnen geförderte Sole war nur gering salzhaltig.
Bei dem Bemühen um qualitativ bessere Sole wurden in Offenau, unter der ebenso engagierten wie fachkundigen Leitung des Salineninspektors Philipp Georg Amsler, nach 1800 mehrere Bohrversuche durchgeführt, die schließlich, im Jahr 1820, von Erfolg gekrönt wurden, als man in einer Tiefe von 140 m auf das Salzflöz stieß. Nun verfügte man endlich über voll gesättigte Sole und konnte auf die kostenträchtige Gradierung in den bis zu 700 m langen Gradierwerken verzichten. Die Offenauer Versuche ermutigten zu ebenso erfolgreichen Bohrversuchen im gesamten südwestdeutschen Raum, was dazu führte, dass das Salz erstmals keine Mangelware mehr darstellte.
Die Saline befand sich immer in Besitz des jeweiligen Offenauer Landesherrn – zunächst war das der Deutsche Ritterorden, dann, ab 1805, das Königreich Württemberg –, war aber von Pächtern betrieben worden. Erst 1848 wurde die Saline Clemenshall Staatssaline. 1929 erfolgte die Stilllegung. Mitte der 1960er Jahre wurde der überwiegende Teil der mittlerweile baufälligen Gebäude abgerissen, 1981 brannte der letzte verbliebene Teil, das Solereservoir ab. An der Stelle der Saline befinden sich heute das Rathaus und das Feuerwehrmagazin. Innerhalb des Ortes erinnert nur noch das 1780 im barocken Stil errichtete Salzmagazin, welches sich außerhalb des eigentlichen Salinegeländes befand, an die Offenauer Salzgeschichte.
Einer der Salinenpächter war Freiherr Johann August von Kalb, der als sachsen-weimarischer Kammerpräsident direkter Amtsvorgänger Goethes gewesen war. Des Freiherrn Ehefrau Eleonore war die Schwester der berühmten Charlotte von Kalb, der Freundin und Muse Friedrich Schillers, die mit einem Bruder des Offenauer Salinenpächters verheiratet war. Freiherr von Kalb starb 1814 in Offenau und ließ die Saline hoch verschuldet zurück.
Offenau zeigt einen beispielhaft gepflegten historischen Ortskern mit typisch fränkischen Hofanlagen, die sich um die barocke katholische Kirche St. Alban gruppieren. Überraschend öffnet sich am Neckarufer dann der Blick in die Weite und auf den landschaftlich schönsten Neckarabschnitt. An der Uferpromenade, unterhalb der Kirche befindet sich ein Zusteigesteg für die Personenschifffahrt. Nach Fahrplan kann von hier aus der Neckar zwischen Heilbronn und Neckarsteinach befahren werden.
Das ca. 2.700 Einwohner zählende Offenau liegt 150 - 200 m über dem Meeresspiegel. Die Gemeinde lebt vom ortsnahen Gewerbe und ist, im Ort kaum wahrnehmbar, Standort einer modernen Zuckerfabrik der Südzucker AG, die hier anfangs der siebziger Jahre neu angesiedelt wurde und heute fachinteressierte Besucher aus der ganzen Welt empfängt.
Offenau bietet das ansprechende Bild einer gepflegten Wohngemeinde mit moderner Infrastruktur und hohem Dienstleistungsanteil. Wegen der günstigen Verkehrslage wird Offenau auch in der Gastronomie gerne besucht.
Der direkt an der Durchfahrtsstraße liegende Gebäudekomplex "Neckarpark" ist zum viel frequentierten Einkaufszentrum in der Ortsmitte geworden. Mit Drogeriemarkt, Friseur, Schreibwarengeschäft und Postagentur, Hotel Garni mit Bistro, Kosmetiksalon und Vermessungsbüro ist Offenau beim Bedarf für das tägliche Leben gut ausgestattet.
Außerdem gibt es in der Ortsmitte noch Bäcker, Metzger, Obst- und Gemüseladen, Banken, Apotheke, Hausarzt, Zahnarzt und Physiotherapeuten. Daneben bestehen Einkaufsmöglichkeiten im Gewerbegebiet Talweg, u. a. mit einem Supermarkt und einem großen Schuhhaus sowie zwei Tankstellen direkt an der B 27. Mit den beiden sich ergänzenden Einkaufsplätzen wird die Kaufkraft im Ort gehalten.
Mit der Beseitigung des ehemaligen Marmorwerkes, einer Gewerbebrache mitten im Ort, war darüber hinaus die Ansiedlung der Firma CFH Löt- und Gasgeräte GmbH mit wichtigen Arbeitsplätzen möglich. Seit über 30 Jahren ist die Südzucker-AG ein wichtiger und verlässlicher Partner für die hiesige Landwirtschaft und die Gemeinde Offenau.
Wie schön bist Du mein Offenau (Text: Willy Wengert)
1. Auf dieser Welt gibt es ein Fleckchen, im Neckartal in grüner Au, dort liegt versteckt in einem Eckchen mein Heimatort, mein Offenau.
2. Muss ich in weiter Ferne weilen, wie tut so weh der Sehnsucht Qual, nichts möchte ich auf Erden teilen, wär ich daheim im Neckartal.
3. Ich geh im Geist auf grünen Auen und denke mir, ich wär zu Haus und könnt zu dir hernieder schauen vom Grasberg Wengertshäusle aus.
4. Wenn dich auch nicht viel Leute kennen und niemand trägt dein'n Namen fort, will ich's vor aller Welt bekennen: Du bist so schön, mein Heimatort!
Refrain nach jeder Strophe
Ewig lieb ich deine Felder, deine Wiesen, deine Wälder,
Offenau im Neckartal, sei gegrüßt viel tausendmal,
Offenau im Neckartal, sei gegrüßt viel tausendmal!
Deine Felder, deine Wälder, Offenau im Neckartal,
sei gegrüßt viel tausendmal!
